Tagebuch eines Abteilungsleiters

Hier verarbeite ich meine Erfahrungen aus der Arbeitswelt (Abteilung Ellenbogengesellschaft) vom ersten Tag an. All die schönen Ereignisse, Intrigen und Problemchen die so anfallen wenn man frisch und unverhofft einen Haufen Untergebene bekommt die selbst gerne Chef wären.

Sonntag, April 16, 2006

IT-Arbeit ist ungesund - Nicht nur bei mir

Heute fand ich diesen sehr interessanten Artikel auf heise.de : IT-Arbeit ist ungesund

So gibt es einen Report namens "Zwischen Innovation und alltäglichem Kleinkrieg -- Zur Belastungssituation von IT-Beschäftigten", der eigentlich meine gesamte Arbeitszeit hinreichend beschreibt.

Auch meine Symptome wurden korrekt aufgelistet, als da wären: "... chronischer Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden."

Naja, dass Schlafstörungen und chronische Müdigkeit einher gehen überrascht mich nicht wirklich. Und meine Magenbeschwerden bekam ich wahrscheinlich dadurch, dass ich vor Nervosität viel nebenbei gefressen habe.

Ferner heißt es: "Durch Stressphasen von mehr als acht Wochen stellten sich bei vielen Mitarbeitern chronische Erschöpfungszustände ein -- ein Frühindikator für das Burnout-Syndrom", was mir sogar mein Kollege Root nach 4 Monaten attestiert hat.

"Rund 40 Prozent der Befragten hätten deutliche Anzeichen von beginnendem Burnout aufgewiesen, etwa 30 Prozent der Untersuchten hätten zudem Probleme damit, sich zu erholen."
Stimmt auch, ich bin immer noch schlapp. Hab nicht mal die Energie mein sauer verdientes Geld zu verballern.

Aber der Hammer kommt hier: "Als Ursache für die häufigen Erkrankungen bei Programmierern und anderen IT-Berufen machen die Autoren der Studie 'widersprüchliche Arbeitsanforderungen, überlange Arbeitszeiten und Leistungsdruck in den Unternehmen' aus. "
Hallo, haben die etwa unsere Blogs gelesen ?
Es fehlt zwar noch der Punkt "Anschiss abholen für nicht erbrachte Leistungen aufgrund von widersprüchlichen Arbeitsanforderungen", aber großzügig interpretiert könnte man das als Leistungsdruck bezeichnen.

"Die Autoren der Studie sehen den dringenden Bedarf für 'Maßnahmen auf der Organisations- und Führungsebene', um Abhilfe zu schaffen. "
Ich empfehle Notschlachtung.

13 Comments:

At 2:25 nachm., Anonymous Christian said...

"Ich empfehle Notschlachtung."
Geniales Fazit. Ich musste lachen.

 
At 7:40 vorm., Anonymous Anonym said...

Ich hab den Artikel auf Heise auch gelesen und musste (natürlich) auch an mein eigenes Dasein als Diplombitschubser denken.

Manchmal frag ich mich ob ich nicht doch hätte Handwerker werden sollen. Da sehen die Leute am Ende des Tages was man gebastelt hat und sind glücklich (mit meiner Arbeit). Wenn man Software bastelt (oder sonstige Arbeit am Computer leistet) scheint das irgendwie nicht zu zählen da man ja nix anfassen kann (deswegen heißts wohl auch software *gnn*)

 
At 8:22 vorm., Blogger Daniel Schmid & Royal Rangers said...

Ja, ich gehöre auch zu der Sparte Probrammierer - in Ausbildung. naja - wirklich ausgebildet wird man bei mir nicht, in miener Firma. Wir haben Ausbilder, die das ganze Organisatorische machen und uns an die Abbas (Ausbildungsbeauftragten) der Abteilung weiterreichen. Diese haben meist nicht viel Zeit oder wenig Lust einem etwas beizubringen. Ich lese halt Bücher oder hab das Internet - das ist dann wenigstens ein bissle Training für mein danach angestrebtes Studium. Die Vorstufe zum Burnoutsyndrom habe ich allerdings auch schon erlebt - bzw. erlebe ich gerade - Begleitet von chronischer Motivationslosigkeit.

 
At 4:01 nachm., Anonymous Anonym said...

Wie schauts mit Sport zum Ausgleich aus?

 
At 9:12 nachm., Anonymous Anonym said...

woher kenne ich das nur? seit jahren ständig müde, lustlos... schwer für etwas zu begeistern. seit kurzem die Diagnose des Hausarzt: chronische Magenschleimhautenzündung.
Ob das an den knapp 10h pro Tag liegt? dem angestauten Urlaub über 2 Jahre? Der schlechten Zahlungsmoral der Kunden und daraus resultierend des Arbeitgebers? Am Internetexplorer?
Fakt ist jedenfalls...Lange geht das nicht mehr gut.

Frischling, irgendwie beneide ich dich um deine "Freizeit". Andererseits hast du mein absolutes Mitgefühl mit dem Stress beim AAMT. Dann lieber ausgebrannt am Schreibtisch, als abgebrannt im AAMT.

 
At 9:51 nachm., Anonymous Anonym said...

Hab eben mal dein ganzes Blog gelesen. Hab es durch das Heise-Forum gefunden. Recht interessant.

Aber für mich als unbeteiligten Beobachter ist es recht offensichtlich, daß du viele Fehler gemacht hast: Du bist viel zu blauäugig an die ganze Sache rangegangen und hast versäumt, schnell dazuzulernen. Du hast zwar schnell rausgekriegt, wie man mit den diversen fachspezifischen Dingen umgeht, mit denen du es zu tun bekommen hast, aber du hast versäumt, den Umgang mit Menschen zu lernen. Das Leben ist letztlich vor allem ein Gegeneinander - auch wenn das heute unter einer dickeln Schicht von Höflichkeiten, Gesetzen und Regeln versteckt wird. Aber statt dich dem Kampf zu stellen hast du halt das Opfer gegeben und wurdest ruck-zuck freigestellt. Deine Ex-Firma wollte offensichtlich kein Opfer als Abteilungsleiter (was ich durchaus verstehe). Also hat man hat dich die Drecksarbeit machen lassen (du warst ja billig) und dann gefeuert, weil dir letztlich die Eier für den Job fehlten.

Fies? Sicher. Aber so ist die Welt nun mal, klagen hilft wenig. Tu was du im Studium gelernt hast und LERNE. Lerne wie man hart ist ohne fies zu sein, das man sich nicht verarschen läßt und wie man Leute gegeneinander ausspielt, die sich gegen einen stellen. Lerne wie Menschen funktionieren und nutze das bei deinem nächsten Job. Lerne auch mal jemand in den Arsch zu kriechen, wenn das letztlich für dich von Nutzen ist. Sei der, der zuletzt lacht. Überleg und lerne wie andere sich aus dem Gröbsten raushalten, Dienst nach Vorschrift machen aber trotzdem wichtig erscheinen. Und vor allem: Lerne das du selbst das wichtigste für dich bist. Nicht eine Firma, nicht ein Job. Firmen und Jobs sind austauschbar - aber DU bist der, der sie austauscht, nicht umgekehrt.

Und hör auf zu klagen. Klagen ist Schwäche. Nur Opfer klagen. Wer dauernd jammert akzeptiert psychologisch seine Schwäche und zementiert sie dadurch. Also hör auf damit (auch wenn es schwer fällt) und tritt dem Leben in den Arsch - oder bleib Opfer.

Und an die anderen Mitleser: Laßt euch die Geschichte eine Warnung sein. Informatik und Technik ist nicht alles. Wer sich darauf konzentriert wird ausgebeutet und kommt unter die Räder. Wir leben in eienr Welt voller Haie und die gehen nicht weg, wenn ihr jammert und wehklagt. Solange die 'Geeks' kleinbeigeben und sich als Opfer der bösen Manager und BWLer sehen, solange werden sie auch Opfer sein.

 
At 2:39 vorm., Blogger Der Frischling said...

Tja, Tipps fürs Leben ...

 
At 12:36 vorm., Anonymous Anonym said...

Danke für deinen supergeilen Blog! Leider (?!) noch nicht Abteilungsleiter, aber in derselben Branche hab ich mich nach meinem 13 Stundentag hier mehr als köstlich über so einige Einträge amüsiert.

Tut mir leid um deinen Job, aber du hast es ja kommen sehen und jetzt noch mit dem selbstgeschriebenen Zeugnis als Abteilungsleiter sollte es ja nicht all zu schwierig werden, nen neuen Job zu finden.

Dein Blog erinnert ziemlich an eine Art IT-Stromberg, nur das dir (wie die meisten in der Branche (mich eingeschlossen)), wie auch dein Vorredner angemerkt hat, die „Eier“ fehlen, sich in aller Strombergmanier durch das Unternehmen zu schleichen, boxen, intrigieren, schleimen und lügen…

Aber dein Blog is ne echt feine Sache, ich hoffe das du den auch in Zukunft fortführen wirst, mich kannst du aber von nun an zu den Stammlesern zählen.

MfG, Maddin

 
At 10:01 nachm., Anonymous Sandra said...

Ähm ... mal zu dem "etwas" längeren Text ... schön, dass Du sowohl "Eier" so wie jede Menge toller Lebenserfahrung zu haben scheinst - aber den Schneid, deinen Namen zu nennen scheint Dir wohl jemand abgekauft zu haben, oder?

 
At 8:53 nachm., Anonymous Anonym said...

Namen sind Schall und Rauch. Wer sich hinter 'Sandra' versteckt, ist ja auch nicht auszumachen. Solange ich hier nicht jemand seine gesamte Adresse incl. Lichtbildausweis postet, bleibt dessen Identität eh fraglich. Kann man also auch gleich anonym posten, der Unterschied ist rein optischer Natur.

Noch ein paar Worte zum Topic: Mir ist klar, das meine Worte recht harsch und schon fast fies klingen. Aber wer schon Probleme mit ein paar direkten Worten in einem Blog-Kommentar hat, der hat in einer Führungsposition, wo er permanentem Druck sowohl von Untergebenen und Vorgesetzten ausgesetzt ist, eh keine Zukunft.

Dieser Blog ist gut, aber er sollte nicht dazu dienen, den Frischling zu bedauern, sondern zu lernen, wie man es eben nicht macht. Gerade wir ITler haben da ja durchaus einiges nachzuholen und werden daher gern von BWLern verarscht - und das sogar oft zurecht wegen eigener Blödheit. Mr. Frischling hat z.B. am Anfang seines Blogs nett über den 'Üzgül' hergezogen, der damals aber die Situation weit besser im Griff hatte als Herr Frischling jemals im Laufe seiner Beschäftigung. Nur hat Frischling dem mit seiner Streberei ja gleich fleißig in die Suppe gespuckt, statt sich ein wenig von ihm abzuschauen. Kann mir gut vorstellen, wie 'Üzgül' damals über 'Frischling' dachte...

Dabei ist es doch so: Eigentlich hat ein ITler (besonders als Abteilungsleiter) sehr viel Macht im Unternehmen. Jedes modernen Unternehmen ist ja absolut abhängig von seiner IT und was ein ITler macht, verstehen die meisten Vorgesetzen schlicht und einfach nicht. Dieses Unverständnis könnte man nun hervorragend ausnutzen - wenn man denn clever genug dafür ist. Diese Cleverness ging aber unserem Frischling leider ab (sei ihm insoweit gegönnt, da er halt 'Frischling' war) und dafür hat er letztlich gezahlt. Lasset euch das also eine Warnung sein, liebe ITler Kollegen.

Ach ja: Wer sich dahin treiben läßt, 100% zu geben, von dem wird im nächsten Schritt 150% verlangt. Gibt er das ebenso, verlangt man 200%. Und irgendwo ist dann der Punkt erreicht, wo man zwangsläufig Fehler macht. Nur: Fehler fallen selbst dem dümmsten Boss auf - ob man aber 80% oder 200% gibt, kriegt dagegen kaum jemand heraus.

 
At 12:43 nachm., Anonymous Clemente said...

Hallöchen Mr Anonym,

Du hast schon recht, es gibt die Karrieristen - das sind die Lauten, diejenigen, die mit Macht und Eloquenz den Lauf der Welt - scheinbar - aus ihren Burgen des Erfolges diktieren.
Nennen wir sie der Einfachheit halber "Stromberg" oder "Anonym".
Und keine Sorge, ich habe schon mit ausreichend vielen Burschen dieser Sorte zu tun gehabt.

Zwei Dinge übersehen sie aber:
1) Sie bewirken in der Regel nicht vieles. Sie produzieren Diktate, Regeln, meist auch enorme Kosten, sie vermitteln Macht und Präsenz - aber sie sind meist völlig unproduktiv.
Die dümsmten Vorgesetzten fallen auf diesen Typus herein - wie Du selber schreibst. Diejenigen Vorgesetzten, die diesen Posten zu Recht haben werden "anonym" schnellstmöglich gegen jemanden ersetzen, der zwar nicht so sexy wie anonym ist, dafür aber Gewinn für die Firma erwirschaftet.
2) In ihrem Streben nach Produktivität im einen Fall und Karriere im anderen Fall gibt es in beiden Lagern sowohl unproduktive Vertreter, als auch solche, die einfach Pech haben.
Also wenn ich die Wahl habe, entweder ein nicht sehr erfolgreicher Mensch zu sein, der etwas produktives tun kann, oder ein nicht sehr erfolgreicher Mensch zu sein, der hauptsächlich machtgeil ist - hm - ich nehme den ersten Typ.
Wie immer im Leben liegt gold zwischen schwarz und weiss. Entweder ein machtgeiler Mitarbeiter, der auch ein bischen etwas kann, oder einer, der etwas wirklich kann und nebenbei mit Menschen umgehen kann. Ich nehme hier den zweiten Kandidaten.
Abschliessend meine Berufsberatung: Mr. Anonym gehört in Strukturen, die seine Qualitäten schätzen. Nennen wir die Strukturen "Telekom", "Deutsche Post AG" und generell jede Form von verwaltendem Amt.
Mr. IchKannWas gehört in produktive, kleine Strukturen. Damit diese etwas produzieren können, womit Mr. Anonym in seinem Amt sich dann profilieren kann.

Nix für ungut, Marsch an die Karriere!

 
At 12:44 nachm., Anonymous Anonym said...

Eier hat Mann, um hinein zu treten ;)

 
At 7:25 nachm., Anonymous Anonym said...

Ich singe hier kein Hohelied auf den 'Karrieristen' sondern wundere ich einfach über die Blauäugigkeit vieler Leute. Wenn man in einer Firma mit Menschen umgeht, dann muß man das schlicht und einfach können. Punkt. NUR Fachwissen reicht nicht. Nirgends. Je weniger soziale Kompetenz jemand hat, desto weniger nützt ihm sein Fachwissen, einfach weil er sonst von allen Seiten aus über den Tisch gezogen wird und garnicht dazu kommt, sein Wissen auch anzuwenden.

Als Abteilungsleiter oder höheres ist das noch schlimmer. Er wird immer Leute erleben, die an seinem Stuhl sägen und versuchen ihm Kompetenzen abspenstig zu machen, sich auf seine Kosten zu profilieren oder eigene Fehler auf ihn abzuwälzen. Das ist einfach menschlich. Wer damit nicht umgehen kann, der hat schlicht und einfach nicht die Qualifikation für den Job, egal ob er 'fachlich' das absolute Genie ist. Sowas wird in mehr oder weniger ausgeprägter Form überall passieren, von der Mini-Firma bis zum Weltkonzern.

Leider ist es nun aber gerade bei den 'Fachidioten' recht beliebt, sich über fehlende Kompetenz von Managern, Chefs usw. zu beschweren. Wie können diese 'DAUs' es wagen, trotz ihrer scheinbaren 'Dummheit' unseren ach so klugen ITler herumzukommandieren. Die verstehen ja nicht mal was von der Technik. Tja, und so hält sich unter ITler dann für was besseres (Mr. Frischling hat ja auch mehrfach sein tolles Diplom erwähnt) und wird dabei von den 'Dummen' immer feste von hinten genommen ohne es auch nur zu bemerken. Aber es ist ja einfacher zu meckern und zu klagen, als einmal zu analysieren, ob man sich nicht selbst etwas klüger verhalten hätte können. Und 'klüger' bedeutet hier eben nicht 'fachlich klüger' sondern 'sozial klüger'.

Zu letzterem gehören Zuckerbort und Peitsche. Womit man bei Leuten weiterkommt schwankt ja erheblich. Mal ist es Freundlichkeit, mal fachliche Kompetenz, mal Agressivität, Frechheit, Ignoranz oder 'Einschleimen'. Man muß einfach das ganze Repertoire drauf haben und es auch passend anwenden können. Fachliche Kompetenz allein ist nichts als 'Perlen vor die Säue' und allein praktisch wertlos. Man mag nun darüber lamentieren, jamern, sich eine bessere Welt wünschen, aber das ändert daran nicht das geringste. Soziale Kompetenz ist und bleibt nun mal das wichtigste im Umgang mit anderen Menschen, das muß früher oder später auch der hardcoreigste Computerfreak lernen - oder mit den Konsequenzen leben.

Nun gibt es natürlich auch das andere Extrem: Fachlich die absolute Null, aber dafür versiert in allen Varianten des Umgangs und der Manipulation von Menschen. Und ja, auch die haben meist keine lange Zukunft, weil auch 'dumme' Chefs früher oder später merken, wenn die keinen echten Nutzen bringen. Aber jeder ITler sollte sich klar machen, daß BEIDE Extremfälle für eine Firma unattraktiv sind und sich nicht der Illusion hingeben, daß sein tolles Fachwissen besser ist als die Tricks und Kniffe unseres fachlich ahnungslosen Karrieristen. Tatsächlich ist es sogar umgekehrt, der sozial Kompetente findet meist irgendwelche Dummen, die für ihn die Arbeit machen. Und zu denen sage ich: Selbst schuld, lernt damit umzugehen anstatt euch verarschen zu lassen.

 

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