Tagebuch eines Abteilungsleiters

Hier verarbeite ich meine Erfahrungen aus der Arbeitswelt (Abteilung Ellenbogengesellschaft) vom ersten Tag an. All die schönen Ereignisse, Intrigen und Problemchen die so anfallen wenn man frisch und unverhofft einen Haufen Untergebene bekommt die selbst gerne Chef wären.

Dienstag, Dezember 27, 2005

Gefühlte Arbeit

Angenehm ruhig gewesen, dank der ganzen Weihnachtsinvaliden.
Da hätte man ja richtig was tun können, hätten wir uns nicht auch von der Ruhe einlullen lassen.
Wie dem auch sei, da heute nichts los war konnte ich mir endlich mal ein bischen Zeit für Frau Barbie nehmen, die schon seit Monaten an einem IT-nahem Projekt arbeitet. Dieses Projekt liegt unserem Oberchef sehr am Herzen und wurde seitens IT weitesgehends vernachlässigt, bis ich heute mit geschultem Blick rangehen konnte um einige Sachen zu klären, den Ablauf zu verbessern und Geld zu sparen. Und das meine ich nur halb-ironisch.

Um das mal zu erläutern: Ich denke mal das ein beträchtlicher Teil der Besucher hier akademische Bildung genießt oder genossen hat, wahrscheinlich sogar IT-spezifisch.
Zeugs, das für uns so selbstverständlich ist, dass es einem schon fast peinlich ist dafür gedankt oder gelobt zu werden, ist für manche andere schon höheres Wissen.
  • Eine Batch-Datei um mehrere Befehle automatisch hintereinander auszuführen ?
    Genial!
  • Kurz ein Excel-Sheet zusammenklicken das verwertbare Zahlen und Graphen ausspuckt die man per Knopfdruck verändern kann ?
    Hohe Programmierkunst!
  • Den Drucker zum Drucken bringen ?
    Expertenwissen!
  • Mit einem Blick erkennen das es keine gute Idee ist, riesige unkomprimierte Audiodateien per DSL zu verschicken und einen Workflow zum effizienteren Arbeiten erstellen während man fix ein Komprimierungs-Tool saugt und installiert?
    Magie!
  • Dafür zu sorgen das die Server laufen trotz all dem Scheiss den die Leute dort anrichten und somit das überleben der Firma sichern?
    Interessiert keine Sau!
Root prägte mal den Begriff von "gefühlter Arbeit" und wenn man überall nur von - ahem - weniger technik-affinen Menschen umgeben ist, dann wirkt sich die Scheinarbeit besser auf das Image aus als echte Arbeit.

Also, liebe zukünftige Fachkollegen, immer dran denken: Ihr habt ne Menge drauf, ihr wisst es bloß nicht so zu schätzen wie die anderen.
Andererseits: Erwartet keinen Lob für Arbeit die die anderen nicht verstehen.

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PS: Ich habe letztens ja stolz meine Google-Hits zu meinem Blog rausposaunt unter dem treffendem Titel "Penisparade".
Jetzt kommt mir so langsam der Gedanke, dass der Google-Algorithmus doch nicht der Weisheit letzter Schluss ist:
Google-Platzierungen

Penisparade : Platz 6

6 Comments:

At 12:02 vorm., Anonymous Anonym said...

da kann ich nur schmunzeln!

ich bin ja oft schon verwundert darüber, wieviel lob und bewunderung man für einfaches maus-anfassen und doppelklick auf das vermeintliche "geht-nicht-mehr-ist-kaputt"-programm bekommen kann.
Oft ist es sogar peinlich sich da wieder [wörtlich] wegzureden.

1)Was hast du denn jetzt gemacht?
2)Programm gestartet!?
1)Warum ging das bei mir nicht?
2)Vermutlich ist in der Zwischenzeit dies und das passiert =)

 
At 10:18 vorm., Anonymous Anonym said...

Und das Verhalten zieht sich seltsamerweise durch alle Schichten. Ich bin im 2. LJ Azubi FI/SI und bin direkter Ansprechpartner für das neue Lehrjahr, wenn irgendwas nicht funktioniert.
Selbst die (die durch den zu erlernenden Beruf doch Vorahnung haben sollten) starren oft nur Löcher, wenn ich den entscheidenden "Kniff" anwende :)

 
At 1:23 nachm., Anonymous Anonym said...

Vollkommen von der Rolle bin ich da! Noch bevor ich dies hier las, dachte ich immer: "Was sind das bei uns nur für Anwender. Die haben ja überhaupt keine Ahnung." Immer wieder bringen mich Anwender zum Verzweifeln. Beispiel:

Ich: "Öffnen Sie doch bitte die Homepage des Intranets."

Anwender: "Das kann ich nicht! Bei mir ist nur der Internet Explorer installiert!"

Jetzt weiß ich es besser. Ich bin nicht mehr allein. Danke!

 
At 11:10 vorm., Anonymous Anonym said...

Ha, bei uns sind schon manche Mitarbeiter durch die Funktion der CapsLock-Taste eingeschüchtert!

 
At 9:36 nachm., Anonymous Anonym said...

Was für ein Google benutzt Du? Das mit der Penisparade kann ich nicht bestätigen.

Das war aber auch der einzige Kritikpunkt. Weiter so.

 
At 9:38 nachm., Blogger zarniw00p said...

Das war das schwierigste am Anfang meiner Ausbildung: sich auf ein Level des Benutzers (herunter)denken. Auf die Probleme und Fragen mit denen ich konfrontiert wurde war ich nicht vorbereitet, die Lösung war im Kopf aber es dem Benutzer zu erklären war immer schwieriger. Inzwischen vergleiche ich die Hardware mit Autotechnologien (Radarwarner von Mercedes), Software hat Fehler genauso wie die vielen Schönheitsfehler im VM Sharan, und so wie man ein Auto erst starten sollte wenn der Sicherheitsgurt anliegt, muss man eben ein Virenscanner ausladen lassen bevor man mit der Arbeit anfangen kann. und vor allem aus bequemlichkeit nie den Sicherheiutsgurt einfach lösen/ausschalten.

 

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