Tagebuch eines Abteilungsleiters

Hier verarbeite ich meine Erfahrungen aus der Arbeitswelt (Abteilung Ellenbogengesellschaft) vom ersten Tag an. All die schönen Ereignisse, Intrigen und Problemchen die so anfallen wenn man frisch und unverhofft einen Haufen Untergebene bekommt die selbst gerne Chef wären.

Freitag, Oktober 28, 2005

Phrasendrescher vs. Expertenpower

Etwas, was ich vorher noch nie in meinem Leben gemacht habe - Firmengespräche (oder wie man das auch nennt) durfte ich in letzter Zeit ziemlich oft führen.
Meist ohne Vorbereitung, da mir nur sehr kurzfristig anvertraut wird, das ich als technischer Berater in einem Meeting mit Firma sowieso dabeisitzen werde.

Das Meeting läuft fast immer nach demselben Schema ab: Herr Schlips begrüßt die Gäste und leitet ohne Atem zu holen zu einer oberflächlichen Situationsbeschreibung über, vermischt mit Schmeicheleien und allerlei Phrasen die den Ernst der Lage aber auch die große Opportunity betonen.
Das geht meist solange weiter bis die Gäste glasige Augen haben.

Heute lief es anders.

Die Firma, die ich zum Gespräch geladen hatte, nahm als Hauptwaffe einen Techniker mit, der nicht nur den Eindruck erweckte, jedes Wort des Phrasenmarathons unseres Herrn Schlips' zu verstehen, nein, er fand auch noch die Lücken in denen er selber zu Wort kommen konnte. Er schnappte sich jedes Stück Halbwissen, stopfte die Lücken und laberte unseren Schlips an die Wand.
Unser Mann schaffte zwar gelegentlich noch ein paar Comebacks, aber man merkte, sein Herz war nicht mehr bei der Sache.

Was für ein Unterschied zu den anderen beiden Firmen, die zu dem gleichen Thema eingeladen wurden.
Firma 1: CDU-Wähler. Erzkonservativ und etabliert. Im Gespräch drehte es sich hauptsächlich um deren Erfahrung und Kontakte und Referenzen. Ok, damals wussten wir auch nicht, was wir fragen sollten, aber ich vermute stark, die wissen was sie tun.
Firma 2: Etwas jünger und null Erfahrung mit Schlips. Schlips betrat den Raum, macht den Mund auf, und nach gerade mal 30 Minuten sind die schon im halb hypnotisiert und nicken bei Fragen nur noch gebannt. Beim Thema Technik wachen sie wieder auf und wollen uns nach kurzer Betrachtung unseres Systems sofort viel und teure Hardware verkaufen.
Firma 3: Hören zu und geben viele und wertvolle Tipps. Der Experte - Koryphus - dominiert das Gespräch und wir können uns gerade noch davor zurückhalten uns vor Ehrfurcht zu verbeugen.
Achja, die empfehlen von sich aus eine günstige Lösung und haben sich damit schon qualifiziert.

Dann will ich mal hoffen dass die mir auch die Arbeit abnehmen, die ich nicht delegieren oder erledigen kann.

Falls ich das Geld für deren Dienste bekomme....... hoffentlich schaff ich das, denn Geld rauszurücken verstößt wahrscheinlich gegen die Religion der Finanzabteilung.

Egal und gute Nacht.

Und morgen bekomme ich zum erstenmal: WOCHENENDE !!

1 Comments:

At 6:56 vorm., Anonymous Uwe Keim said...

"...Der Experte..." - Wenn sich leute "Experte" nennen, ist das für mich immer so ein Zeichen, daß es zu einer richtigen Ausbildung/Studium nicht gereicht hat, man aber trotzdem mitreden möchte und sich dann eben Experte nennt.

 

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